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Synthese von Morse-Zeichen im Browser mit morseSynth

Die Geschichte des Telegrafie-Unterrichts ist so lang wie die des Morse-Codes. Im 19. Jahrhundert prägten sich die Telegrafisten die Bilder für jedes einzelne Morsezeichen ein. „·−“ hieß A, „’−···“ war ein B. Die Zeichen wurden auf eine schmale Rolle Papier gedruckt. Schnell wurde klar, dass der Melodie des Druckers zu hören viel einfacher war, als Punkte und Striche abzuzählen. Auf das Papier wurde bald verzichtet. Dafür konnte die Geschwindigkeit erhöht werden, so dass Dits und Dahs verschwammen. Die Telegrafisten achteten nur noch auf die Melodie der Zeichen oder ganzen Wörter. Morsen ist halt eine Sprache, die man zwar nicht sprechen, aber nur durch Hören lernen kann.

Es dauerte Jahrzehnte, bis Wissenschafter diese Erkenntnisse auch für die Lehre vorschlugen. Der Psychologe Ludwig Koch empfahl schließlich 1936, Morsezeichen von Anfang an mit hoher Geschwindigkeit zu lernen. Statt zu zählen kommt es auf den Klang eines Zeichens an, und den hört man nur, wenn ein Dit, also ein Punkt, weniger als 50ms dauert. Nach einigen Stunden Übung lassen sich so pro Minute bereits 25 Wörter aufnehmen, das entspricht etwa 150 Zeichen.

Zum Üben brauchte man immer seltener einen Kurs zu besuchen, denn es erschienen Schallplatten, Kassetten, CDs und Computer-Programme mit Übungen nach der Koch-Methode. Die letzte große Neuerung war mit LCWO der Online-Morse-Trainer. Man kann sich einfach an den Rechner setzen und sofort anfangen zu üben. Der Rechner kontrolliert die Ergebnisse, erstellt Statistiken und Rangfolgen. Nur eines gab es schon lange in keinem Morse-Kurs mehr: abgedruckte Morsezeichen.

morseSynth

Seit kurzem ist es mit der Web Audio API möglich geworden, Morsezeichen direkt im Browser herzustellen. Man kann in JavaScript die Wellenform, Frequenz, Lautstärke, Anstiegszeiten und sogar Störungen einstellen, die dann auf den Rechnern der Besucher synthetisiert werden. Auch verschiedene Signale gleichzeitig, wie sie bei hohem Andrang oft vorkommen, sind kein Problem. Um die Programmierung zu vereinfachen, habe ich die Bibliothek morseSynth geschrieben. Sie versteht sich mit reinem JavaScript genau so wie jQuery und anderen Frameworks. Im HTML muss nur die Bibliothek eingebunden werden, schon lassen sich Buttons zum Abspielen oder Anhalten auf der Seite verteilen. Das Signal lässt sich mit vielen Parametern einstellen.

Mir fallen einige Anwendungsmöglichkeiten ein. Ein Morsekurs liegt nahe. Man kann aber auch einfach auf einer Amateurfunk-Seite einen „geheimen“ Witz unterbringen oder besondere Bedingungen im Funkverkehr veranschaulichen. Es lassen sich ganze Bücher wiedergeben und dabei nur den Speicherbedarf der reinen Textdateien benötigen. Ich bin gespannt, ob die Bibliothek irgendwo mal genutzt wird.

Dokumentation und Download von morseSynth

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