Sportküstenschifferschein

Vor zwei Jahren begann ich Segeln zu lernen und Motorboot zu fahren. Über die Sportbootführerscheine See und Binnen schrieb ich einen Artikel.

Sportküstenschifferschein

Im März 2015 wollte ich raus aus dem winterlichen Drinnensein und in einem Praxis-Kurs etwas lernen. Also fuhr ich zu Sailaway nach Kiel, um bei fünf Grad eine Woche auf der Ostsee zu segeln. Neben den prüfungsrelevanten Kunststückchen wie Vollkreis und Boje-Über-Bord-Manöver übten wir auch Hafenmanöver und bekamen unglaublich viele Tipps zum Umgang mit Yachten. Am letzten Tag kamen Prüfer an Bord, und ich bestand den praktischen Teil für den Sportküstenschifferschein.

Funkscheine

Wenn eine Yacht ein Funkgerät an Bord hat, muss man dafür auch den passenden Schein haben. Boote mit Funkgerät lassen sich also nicht ohne Funkschein ausleihen. Auf See braucht man den SRC, auf Binnengewässern heißt der Zettel UBI. Während der Sportküstenschifferschein nur dafür gut ist, seine Fähigkeiten zu beweisen, sind die Funkscheine auf Yachten notwendig. Als Lern-Motivation und zum Ausprobieren der Funkgeräte besuchte ich einen Wochenend-Kurs der Segelschule Hering. In zwei Tagen wurde exakt das erklärt, was in der Prüfung relevant war. Ich brauchte nur noch Englisch-Vokabeln zu pauken konnte locker die Prüfung bestehen.

Die nächsten Schritte sind der Pyro-Schein, um Knallerei fürs Schiff zu kaufen, und die theoretischeren Bestandteile für den Sportküstenschifferschein.

Meilenbuch

Schiffe auf See führen seit Jahrhunderten Logbücher. Mit ihrer Hilfe lassen sich Reisen detailliert nachvollziehen und Unwetter rekonstruieren. Auch heute sind sie selbst auf Sportbooten vorgeschrieben. Aber was sollte da wie aufgeführt werden?

Der Gesetzgeber hat keine großen Ansprüche. Alles, was „für die Sicherheit in der Seefahrt einschließlich des Umweltschutzes auf See und des Arbeitsschutzes von besonderer Bedeutung“ ist, muss eingetragen werden. Darunter fallen Unfälle. Wenn Technik kaputtgeht, muss dies vermerkt werden, damit der Schaden behoben werden kann oder zumindest der nächste Skipper bescheid weiß.

Die Logbücher dienen der rechtlichen Absicherung, der Planung und Organisation, für sportliche Ziele wie den Sportküstenschifferschein und natürlich als Erinnerung. Angegeben werden Wind und Wetter, Stempel von Häfen, Beginn und Ende der Wachen, Orte, gefahrene Strecke (unter Segel und Motor), was unterwegs passiert, Besonderheiten bei Charter, Defekte, Zeit der Reffs bis hin zu Einkaufslisten. Für die Crew dienen sie außerdem als Meilennachweis, deshalb sollte die Funktion an Bord eingetragen werden: Wachführer, Deckshand, Rudergänger, Navigator oder Festmacher.

Grobe Angaben finden sich im §6 Schiffsicherheitsgesetz und im Merkblatt über die Verpflichtungen der Sportschifffahrt im Hinblick auf Seetagebücher bei ELWIS.

Zur Dokumentation meiner Fahrten entschied ich mich, einen Ordner in A5 anzulegen. Es wird ein Blatt für den ganzen Törn und pro Tag ein Tagesbericht eingeheftet.

Download

Die A4-Seite mit beiden Blättern zum Ausschneiden gibt es fertig als PDF. Außerdem zweimal das Tagesblatt nebeneinander.

Rohdaten für Inkscape gibt es hier und hier. Der Font ist die Archive Garamond Standard Regular die auch hier auf der Webseite eingesetzt wird.

Windsurfing!

Letzte Woche besuchte ich einen Anfängerkurs in der Surfschule in Zingst. Am ersten Tag sollten wir auf dem Brett stehen und nicht sofort runterfallen. Am zweiten Tag übten wir das Rigg aufholen, losfahren, Wende, Halse, anluven, abfallen. Am dritten Tag gab es nur 1-2 Beaufort Wind, so dass wir die Wende verbesserten, Beach Start und Tricks übten, z.B. rückwärts und mit Schothorn voraus fahren. Obwohl wir an den drei Tagen nur eine Stunde zum Üben hatten, machte es zum Schluss schon richtig Laune, und ich wäre gerne in den Sonnenuntergang geheizt.

Sportbootführerschein

Vor ein paar Wochen setzte ich mir die Sportbootführerscheine in den Kopf. Seitdem lernte ich Motorboot fahren, segeln, massenweise Verkehrsregeln und mit einer Knarre umzugehen, aber dazu später mehr.

See

Mit dem Sportbootführerschein See darf man auf dem Meer mit beliebig großen Schiffen fahren, solange kein Personal darauf arbeitet und kein Geld damit verdient wird. Um ihn zu bekommen, stieg ich mit dem Prüfer von einem Sportboot-Verband in ein kleines Motorboot und fuhr ihn ein paar Minuten auf einem kleinen See herum. Er wollte dabei sehen, dass ich unfallfrei manövrieren konnte. Während meiner Prüfung stand noch mein Fahrlehrer auf dem Bug. Bei ihm besuchte ich vorher drei Fahrstunden. Selbst für berliner Verhältnisse war er ein ziemlich cholerisches Arschloch. Er rastete immer aus, wenn sein Motor Ausfallerscheinungen zeigte, und das passierte selbst dann, wenn er am Steuer saß. Damit die Prüfungsfahrt nicht langweilig wurde, hatte ich echte Fahrgäste zu transportieren.

Sportbootführerschein See

Neben der praktischen muss man natürlich beim Verband auch eine theoretische Prüfung ablegen. Zur Vorbereitung kann man einfach in einer App oder auf einer Webseite die Ankreuzfragen auswendig lernen. Zur Prüfung gehört es auch, in einer Karte einen Streckenverlauf einzuzeichnen. Wie das geht, erklärt die Wassersport Akademie sehr schön.

Rolf Dreyer

Ich wollte nicht nur stumpf auswendig lernen und hatte keine Lust ein Buch zu lesen. Deshalb investierte ich in den Online-Kurs von Rolf Dreyer. Darin erklärt er mit vielen Bildern, wie eine Bordtoilette funktioniert oder wie man eine Walther-Pistole bedient. Ich erfuhr eine Menge und bekam richtig Lust aufs Bootfahren. Die Inhalte der Prüfung werden ausführlich und weit über Prüfungsniveau erklärt. Dazu kommen Exkurse, die für den Führerschein gar nicht nötig wären. Zum Bestehen hilft der Kurs meines Erachtens kaum. Die Auswendiglern-Teile wie Signaltöne oder Lichterführung werden zu umständlich erklärt. Warum soll ich mir auf Merktafeln Signale einprägen, von denen Dreyer schon sagt, dass man sie in der Praxis nie braucht? Die paar Prüfungsfragen sind schneller direkt auswendig gelernt.

Im Online-Kurs befinden sich die Original-Karten, die in der Prüfung drankommen. Dass Dreyer die als einziger hat ist nicht sein Verdienst, sondern nur das Versämnis der verkalkten Verbände, die die Karten nicht frei für jeden zur Verfügung stellen. Obwohl der Kurs wie gesagt die optimalen Karten enthält, kann man sich mit ihm eher schlecht auf die Navigationsaufgaben vorbereiten. Denn Dreyer erklärt im Gegensatz zur Wassersport Akademie null, wie man die Aufgaben konkret lösen soll.

Nicht nur die Karten haben einen fragwürdigen Ursprung. Ich habe den Eindruck, Dreyer hätte seine Bilder einfach aus dem Netz zusammenkopiert. Einige fand ich in der Wikipedia wieder. Nicht, dass mich die Urheberrechtsverletzungen besonders stören würden. Aber Dreyer bittet seine Kunden um Mithilfe und Daten z.B. über Fahrschulen. Statt sie etwa in einem Wiki frei verfügbar zu machen und eine Community für Schüler zu bilden, versucht er plump durch Informationsarmut Gewinn aus dem Wissen und den Inhalten anderer Leute zu schlagen. Wie bei den Fotos und den gehamsterten Karten. Das schmeckt mir nicht.

Mittlerweile habe ich alle Kurse für die Sportbootführerscheine See und Binnen sowie den Pyroschein angeschaut. Mir gefallen die gesprochenen Texte ausgesprochen gut. Ich hörte Dreyer gerne vielen Stunden zu. Er hat Ahnung und kann gut erzählen. Fürs Auge war es eher ein Krampf, weil der Bildschirm während seiner Erzählungen mit grauenvoll zusammengeschusterten Textwüsten gefüllt ist, aber die konnte ich ganz gut ignorieren.

Nun bin ich aber auch froh den Kurs durch zu haben, weil das Herumklicken zwischen den Abschnitten mühsam funktioniert. Alleine an der Wahl von Flash und dem Aufbau der Menüs ist ersichtlich, dass Dreyer keinen Schimmer von Online-Medien hat. Das tut mir als Webentwickler zwar weh, lässt sich aber erst einmal verschmerzen. Die chaotisch zusammengewürfelten Klickstrecken, bei denen man manche Hauptabschnitte zwanzig mal hören muss um alle Unterabschnitte zu bekommen, ist auf Dauer dann doch schwer ermüdend. Schade und unnötig, dass der Kurs an der Technik und am Aufbau scheitert.

Rolf Dreyer Kurs

Binnen

Der Sportbootführerschein Binnen berechtigt zum Herumgurken mit Booten bis 15m Länge auf Flüssen und Seen. Es gibt wieder eine Theorieprüfung zum Ankreuzen, auf die man sich wie beim See-Führerschein vorbereiten kann. Die Praxis-Prüfung ist die gleiche wie bei See und lässt sich sogar anrechnen.

Da man mit dem normalen Binnen-Führerschein nicht überall segeln darf, ergänze ich ich ihn noch um eine praktische Segel-Prüfung. Dabei schaut der Prüfer aus sicherer Entfernung zu, wie man mit einer Jolle durch die Gegend fährt und seine Crew zusammenscheißt. Um die geforderten Manöver zuverlässig hinzubekommen, sollte man fünf ganze Tage mit einem guten Lehrer einplanen, besser wesentlich mehr.

Mir ist aufgefallen, dass die oben genannte App und die Webseite zum Lernen der Prüfungsfragen sich nicht auf die Fragen beschränken lassen, die man lernen muss, wenn man den Sportbootführerschein See schon hat. Das sind nämlich über hundert Fragen weniger. (Für den SBFB Segeln braucht man nicht alle 181 Motor-Fragen.) Entsprechende Hinweise habe ich an die beiden Entwickler geschickt. So hilft sich eine Community selbst, bei der Dreyer einen nicht so guten Stand hat. Und das liegt nicht daran, dass er für seinen Kurs Geld verlangt.

Die Prüfung verlief super locker. Ich sollte mit einer Jolle und meiner Beifahrerin zu einer Boje aufkreuzen, halsen, Boje über Bord werfen und wiederholen, schließlich beim Prüfer am Boot anlegen. Für mich war das alles kein Problem. Als wir die Plätze getauscht hatten und ich Vorschoter war, klappte kein einziges Manöver mehr. Wir mussten sogar die Boje mehrfach anfahren, was eigentlich besonders schnell und zuverlässig gehen sollte. Trotzdem hatten alle problemlos bestanden, und so schleusten die berliner Prüfer sämtliche Segelkurse der TU-Berlin der letzten Monate durch.

Sportbootführerschein Binnen

In Foren las ich bereits, dass der Prüfungsausschuss Berlin eine Katastrophe ist und man als Berliner lieber zu den Rostockern oder anderen Prüfern fährt. Das kann ich nun nach einigen schlechten Erfahrungen bestätigen. Verpeiltheit macht sich zusammen mit arroganter Überheblichkeit einfach nicht gut. Mit einiger Verspätung und Fahrerei bekam ich aber dann doch noch meinen Führerschein.

Funken und Schießen

Vermehrt in den Wintermonaten nehmen die Verbände Prüfungen für den Betrieb von Funkgeräten und den Einsatz von Notsignalen ab. Letzteres bietet sich ja vor Silvester an, damit man sich rechtzeitig mit Fallschirm-Raketen eindecken kann. Wenn ich dann noch Lust habe, mache ich diese Scheine auch noch. Das Buch zum Funken habe ich schon gekauft. Es ist wieder von Rolf Dreyer.

Fortsetzung